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Haus H - Oberpframmern
Neubau eines Einfamilienhauses mit Rutsche

Preise: Architektouren 2019
Veröffentlichungen: Architektouren 2019 | Süddeutsche Zeitung

Ort: Oberpframmern
Zeitraum: 2017 bis 2018

Thema:
Die Angaben in einem ersten Entwurfs-Gespräch mit den Bauherren lassen aufhorchen: neben häufiger genannten Wünschen wie einem großzügigen Wohn-Ess-Bereich mit Kaminofen, offener Küche, Stauraum für eine vierköpfige Familie und vielem mehr kommen zwei Herzenswünsche der Bauherren auf die Liste: ein Lesefenster mit Blick in die Landschaft und eine vom Obergeschoß ins Erdgeschoß führende Rutsche – nicht nur für die Kinder, sondern vor allem auch für den Vater.

Ausgiebige Recherchen führen zu einer spezialisierten Schreinerei bei Stuttgart, die langjährige Erfahrung im Rutschenbau hat.
Muster werden angefertigt, die Rutsche von Kindergröße auf Erwachsenenbreite angepasst. Die Rutsche ist das bestimmende Element im Erschließungsbereich von EG und OG.
Von Vorrüstungen im Bodenaufbau, über Aussparungen in der Fußbodenheizung und die Treppe werden alle Gewerke auf die Rutsche ausgerichtet, bis ganz zum Ende der Bauzeit das über sieben Meter lange Rutschenelement in einem Stück geliefert und ins Haus eingebracht wird.

Die Anordnung der Wohnräume ergibt sich durch die Lage des Hauses auf dem Grundstück und am Ortsrand:
Ein großzügiger Koch-Wohn-Ess-Bereich über die gesamte Hauslänge im Erdgeschoß wird nach Süden zum Ortsrand ausgerichtet. Im Osten bleibt noch Platz für ein Arbeits- und Gästezimmer, das im Bedarfsfall auch als barrierefreier Schlafraum genutzt werden kann.
Im Obergeschoß findet neben den drei gleichwertigen Räumen für die zwei Kinder und die Eltern auch das Lesefenster seinen Platz: die Verlängerung des Flurs bildet eine Ruhezone, bringt Licht und den Ausblick in die Ferne ins Gebäude.
Das Fenster schiebt sich leicht schräg aus der Fassade, bildet so eine breite Sitzfläche und lenkt den Blick in Richtung Wald und Wiesen.

Natürlich war die Vorgabe, kostengünstig zu bauen. Die Gebäudeform ist kompakt, die verwendeten Baustoffe und Oberflächen schlicht und unaufgeregt.
Im Kellergeschoß bleiben die Betonwände und -decken sichtbar, die Oberflächen innen werden nur gestrichen. Der Estrichboden wird lediglich mit einer robusten Farbe gestrichen und kann später gefliest werden.
Die Wände im EG und OG sind aus monolithischen Ziegeln gemauert und verputzt, die Böden mit Industrieparkett und im Wohnbereich mit Parkettdielen belegt.
Das Obergeschoß unter dem Dach ist durchgehend mit Industrieparkett belegt, was Großzügigkeit erzeugt und auch mal einen Kratzer durch Kinderspielzeug verzeiht.

Die Dachflächenfenster werden so angeordnet, dass sie sowohl den Flur und die Rutsche, über Oberlichter aber gleichzeitig auch die Kinderzimmer belichten. Die Dachfenster werden so jeweils für zwei Räume genutzt.
Bei Bedarf kann mit einfachen Klappen das Oberlicht verdeckt und der Lichteinfall vom Flur in die Zimmer gesteuert werden.

Um den Eingang des Hauses zur Grundstückszufahrt zu orientieren, wird die Außenwand leicht abgeknickt. Eine hier platzierte über-Eck-Verglasung schafft zusätzlich einen Blickbezug in Richtung des ankommenden Besuchers.
Die schräge Wand setzt sich auch im Obergeschoß fort. Hier ergibt sich ein Bad mit interessanter Raumgeometrie, die es ermöglicht, eine große Dusche mit Sitzbereich und eine großzügige Wanne auf engem Raum unterzubringen.

Materialwahl:
Kellergeschoß: WU-Beton, innenseitig nur die Innenwände verputzt, Rest frecher, sichtbarer Beton, der Nutzung als Lagerkeller angepasst
Erdgeschoß und Obergeschoß: Monolithische Ziegelwände ohne Füllstoffe, somit gut recycelbar.
Dach-Dämmung: Zellulosedämmung mit Holzfaserplatten
Fenster: Lärchenholz, innen geölt, außen farbig lasiert
Böden: Industrieparkett im Eingangsbereich und im OG, Dielen im Wohnzimmer
Rutsche: Eschenholzleisten, auf Spanten genagelt wie im Schiffsbau

Leistungsphasen: 1-8

Mitarbeiter: Quirin Stoiber
Beteiligte: Tragwerksplaner: Tom Beck, a.k.a. Ingenieure, München | Energieberatung: Nicole Killermann, Ebersberg